Die Zahl der Follower auf Twitter ist für die meisten das Maß aller Dinge. Menschen mit Millionen von Followern müssen einfach „Big Shots“ sein. Oft sind sie es ja auch. Lady Gaga mit jetzt 10 Millionen Followern ganz bestimmt. Aber auch schon mit ein paar tausend Followern hat man sich in den Augen vieler Nutzer eine bedeutende Reichweite aufgebaut.

Sieht man sich aber einige Profile etwas näher an, befallen einen rasch Zweifel. Hier ein beliebiger Twitter-Account, auf den ich heute gestoßen bin:

@tutnichtszursache
Schönheitsbranche. Es werden in der Profilbeschreibung ein paar der Produkte und Services aufgeführt.

Profilbild: Keines

Account besteht seit 19.04.2010

24 Tweets bis zum 16.05.2011

Inhalt der Tweets: Eigenpromotion

Der Account folgt 6.823 Accounts

Der Account hat 6.577 Follower

Der Account steht in 96 Listen

Die geringe Zahl der gesendeten Nachrichten mag verwundern. Aber vermutlich hätte der Beauty-Anbieter auch mit 3 Tweets oder keinem Tweet die gleiche Zahl an Followern erzielt. Kaum einen der Follower dürfte der Inhalt der wenigen Kurznachrichten interessiert haben. Den allermeisten werden die zwei langweiligen Promotion-Tweets im Monat ohnehin der Aufmerksamkeit entgangen sein. Wie also kommt dieser Account in einem Jahr zu 6.577 Followern? Noch dazu ohne Profilbild, wo doch dessen Wichtigkeit von Twitter-Experten immer so betont wird?

TwitterBot

Ganz offensichtlich wurde mit einem der Tools gearbeitet, das automatisch Profilen nach ausgewählten Kriterien folgt und jenen wieder entfolgt, die das Folgen nicht in ein paar Tagen erwidern. Das funktioniert, weil es eine Reihe von Twitterern gibt, die allen ohne Ansicht des Profils folgen. Ein Motiv mag eine bessere Bindung und somit eine qualitative Erhöhung der eigenen Reichweite sein. Weiterhin gibt es natürlich auch Bots, die sowieso jedem folgen, der ihnen folgt. Spätestens hier wird es merkwürdig: Was für ein Gewinn an Reichweite ist das, wenn zwei Bots sich gegenseitig folgen? Und wenn jemand den meisten anderen nur folgt, um seine eigene Reichweite zu maximieren – welches Interesse hat er wirklich an deren Tweets?

Reale Reichweite

Jeder fährt seine eigene Twitter-Strategie. Und es gibt auch gute Gründe, jedes Follow zu erwidern. Man begibt sich gewissermaßen auf gleiche Augenhöhe, schenkt dem anderen einen neuen Follower und signalisiert damit Aufmerksamkeit und Kommunikations­bereitschaft. Die eigene Timeline wird zwar ab einer gewissen Zahl von Gefolgten unübersichtlich, aber das lässt sich mit Listen organisieren.

Es spricht auch nichts dagegen, einen Autofollower gezielt einzusetzen, sofern das Tool hinreichend intelligent ist und die gewünschte Zielgruppe sicher auswählen kann. Zweifellos lässt sich die Zahl der Follower so rasch erhöhen. Wenn aber wahllos gefollowed wird und weder Engagement noch echter Nachrichtenwert im Output erkennbar werden, bleibt das ganze witzlos. Die numerisch hohe Reichweite mag dann den einen oder anderen blenden, wird aber kaum jemals Früchte tragen.

Was ist Reichweite auf Twitter wert?

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