Justin Bieber ist ein mediales Phänomen. Mit dem Schwarm vieler Teenager wird man seit einiger Zeit mit einer gewissen Regelmäßigkeit konfrontiert. Die meisten weiblichen Personen zwischen acht und achtzehn positionieren sich, lieben oder hassen Justin Bieber. Der restliche Teil der Bevölkerung nimmt den Bieber-Hype meist nur mit Kopfschütteln oder Achselzucken zur Kenntnis. Kreischende, in Ohnmacht fallende Zahnspangenträgerinnen – das gab es schließlich schon bei Elvis und den Beatles.

Mit Justin Bieber beschäftigen sich ernsthafte, im Berufsleben stehende Menschen nicht. Mit seinen Fans auch nicht – es sei denn, sie haben eine Tochter, deren Leben sich zum großen Teil um den kanadischen Popstar dreht. Selbst dann aber bleibt das Verständnis für ihre überbordende Begeisterung meist aus. Wer sich aber regelmäßig auf Twitter bewegt, wird  unvermeidlich irgendwann auch auf Justin Bieber Fans stoßen. Die sind hier nämlich überaus aktiv.

Justin Bieber Fans sind zumeist jung und weiblich und dies spiegelt sich in der Nutzung von Twitter wider. Die große Homogenität der Gruppe schweißt ohne Zweifel zusammen. Andererseits bilden auch businessorientierte Twitternutzer eine Gemeinschaft, die gleiche Verhaltensweisen fördert. Die Unterschiede zwischen diesen Communities sind ebenso aufschlussreich wie prägnant.

Business-Tweeter vs Bieber-Tweeter

Für die meisten Business-Twitterer stehen die Nachrichten und der Nutzwert im Vordergrund. Die Kommunikation ist oft businesskonform und zweckbezogen. Mit „casual comments“ oder emotionalen Äußerungen geht man eher spärlich um. Zu groß die Angst, unerwünschte digitale Spuren zu hinterlassen und die eigene Reputation zu schädigen. Der Umgangston ist zwar oft locker, bleibt aber immer unverfänglich. Der innere Zensor prüft stets, ob nicht ein konservativer Personaler oder Geschäftspartner irgendwann einmal Anstoß an einem im Netz auftauchenden Tweet nehmen könnte.

Justin Bieber Fans verbreiten News zu ihrem Idol, doch zum weit überwiegenden Teil chatten und kommunizieren sie. Sie twittern vorbehalt- und zensurlos, denn sie twittern nicht für ihren „Digital Footprint“, sondern weil es ihnen Spaß macht. Ihre Timeline ist voll von Replies, Smileys und Emojis. Sie sind schnell und impulsiv. Sie sind leidenschaftlich und scheuen sich nicht vor emotionalen Ausbrüchen – seien sie positiv oder negativ. Sie kümmern sich nicht um die Formvollendetheit eines singulären Tweet, der für sie nur ein Einzelbild aus einer mentalen Telenovela ist. Sie sind international und schreiben manchmal in einem kreativen Mix aus Englisch und der eigenen Muttersprache. Sie posten Bilder und Videos aus ihrem Leben.

Never say never to Beliebers

Die Tweets von Bieber-Fans sind keine ausgefeilten und drei mal auf Rechtschreibung geprüften Info-Häppchen. Das ist auch nicht der Anspruch der meisten „Beliebers“. Ihre Äußerungen sind spontan und informell; sie reflektieren ihren momentanen Gedankenfluss, ihre Gefühlswelt. Der Inhalt tritt zurück, die Persönlichkeit tritt in den Vordergrund.

Ihr Verständnis von Twitter könnte man in einem abgewandelten Zitat von Seth Godin ausdrücken: „Das gemeinsame Bekenntnis und das Teilen von Emotionen sind wichtiger als der konkrete Inhalt einzelner Tweets.“ Beliebers leben diese Philosophie. Business-Tweeter hingegen formulieren eher nüchtern denn leidenschaftlich. Sie machen sich Gedanken über jeden einzelnen Tweet. Bisweilen vielleicht zu viele.

Die Bieber-Fans sind nebenbei enorm produktiv. Viele von ihnen posten bisweilen 100 und mehr Tweets täglich. Und auch ihre Follower sind im Vergleich zu Durchschnittstweetern überdurchschnittlich engagiert und interaktiv. Die Unbekümmertheit, mit der sie twittern, mag zum Teil ihren jungen Jahren entspringen. Andererseits leben sie als Fans einer polarisierenden Figur ständig damit, von einem Großteil der Außenwelt nicht verstanden oder sogar angefeindet zu werden. Das zugelegte dicke Fell und die Gemeinschaft Gleichgesinnter scheint gleichsam befreiend auf ihren Output zu wirken.

Was lässt sich von Justin Bieber Fans lernen?

Schnelligkeit

Twitter ist ein schnelles Medium. Nachrichten versenden, informelle kurze Interaktionen und Chats mit Tweeps: alles eine Sache von Sekunden. Soweit die Theorie. Der Schlagbaum, der stets zwischen unseren Gedanken und unserem schriftlichen Ausdruck steht, behindert indes oft eine zügige Instant-Kommunikation. Schlagfertigkeit endet dann am Schlagbaum. Twitterland liebt keine Schlagbäume.

Echte Reichweite

Für ihr Business Twitternde wollen Reichweite! Und natürlich hat ein Tweet die größte Reichweite, wenn er an ALLE Follower gerichtet ist – darin unterscheidet er sich nicht von einem Newsletter. Nur leider ist der Tweet dann auch genauso anonym wie ein Newsletter. Und während ein Newsletter immerhin in der Inbox landet, geht der einzelne Tweet bei den meisten unbemerkt und ungelesen in der Timeline unter.

Nur jene Follower, mit denen man kommuniziert, die man unterstützt und mit denen man eine Bindung herstellt, werden den eigenen Tweets Aufmerksamkeit schenken, regelmäßig weiterverbreiten und für virale Effekte sorgen. Die Konzentration auf diese Gruppe und ihr Ausbau kann sinnvoller sein als eine noch so große aber unengagierte Schar von Followern.

Leidenschaft

Begeisterung und Leidenschaft sind in Tweets von geschäftlich twitternden Menschen eher selten. Information, Nutzwert und Selfpromotion stehen im Vordergrund. Steril und unpersönlich auftretende Tweeps langweilen ihre Follower aber auf Dauer. Wer keine Ecken, Kanten und Profil zeigt, wer nicht auch mal provoziert oder für eine Sache brennt, bleibt blass und gesichtslos.

Kommunikation

Ein an eine Einzelperson oder eine kleine Gruppe gerichteter Tweet schließt die anderen scheinbar aus, hat aber eine weit höhere Wirkung. Erstens für die direkt per Reply oder Mention Angesprochenen, zweitens aber auch für mitlesende Follower, die so Zeugen der eigenen Kommunikationsbereitschaft werden. Wer regelmäßig beobachtet, dass jemand gern und offen kommuniziert, fühlt sich selbst zur Ansprache dieser Person animiert.

Produktivität

Bieber-Fans legen nicht jeden Tweet auf die Goldwaage. Sie twittern so schnell wie sie denken. Wer produktiver twittern will, darf nicht perfektionistisch sein und Tweets nicht als kleine literarische Werke betrachten. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und ein alberner oder provokativer Tweet zerstört noch nicht die eigene Reputation. Der Aufbau eines persönlichen digitalen Brandings sollte nicht zu übertriebener Ängstlichkeit vor Öffentlichkeit führen. Wer bei jedem Tweet innerlich die Zensurschere zückt, blockiert sich und lässt Chancen aus. Was zählt, ist das Gesamtbild, nicht der einzelne Puzzlestein.

Internationalität

Auch wer sich mit seinem Business nur im deutschsprachigen Raum bewegt und hier seine Kunden findet, kann davon profitieren, sich international auszutauschen und andere Perspektiven und Standpunkte kennenzulernen. Dies setzt voraus, dass man entweder gemischt auf deutsch und englisch twittert oder sich einen eigenen Twitter-Account für internationale Kontakte anlegt. Abgesehen von der Unterhaltsamkeit: Neue Entwicklungen und Trends schwappen oft aus den Staaten und aus dem asiatischen Raum zu uns herüber.

Visualisierung

Bilder haben eine starke Wirkung – auch auf Twitter. Business-Twitterer werden eher selten Fotos von Justin Bieber oder der eigenen Katze twittern. Aber warum nicht mal eben mit dem Smartphone geschossene Bilder von Events, Treffen oder Messeauftritten senden? Spontane Scribbles oder Bilder von Flipcharts lassen sich unaufwendig ablichten und per Twitpic verbreiten. Auch kurze Videos mit relevanten News können zur Auflockerung beitragen. Ach ja, und es ist wirklich nicht schlimm, auch einmal ein Bild von der eigenen Katze zu twittern.

 

Fans auf Twitter: Was wir von Beliebers lernen können

2 thoughts on “Fans auf Twitter: Was wir von Beliebers lernen können

  • 3. Juli 2011 bei 19:47
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    Thank God for Google translate tool. How else would I be reading your post on ‚What we can learn from Justin Bieber Twitter fans“. I liked your indepth analysis of the elements of Twitter as a business-to-consumers/customers tool.

    • 4. Juli 2011 bei 8:30
      Permalink

      Thanks a lot for your effort and taking the extra time to translate the post via Google Translator! I appreciate it a lot as I know the Google Translation Tool is not perfect at all. It is sometimes jumbling words and grammar, therefore it may be difficult to understand every single sentence. But I am happy that you got the intention of the post and what it is about! Maybe I should start to blog in English as well 🙂

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