Wann warst du zuletzt im Fußballstadion? Erinnerst du dich noch? Bestimmt. Du weißt wahrscheinlich noch, wie das Spiel ausging. Dir fallen spannende Spielszenen ein. Die Tore. Die Paraden. Und der Schiri, als er den Ball an den Kopf kriegte – das war ein echter Lacher. Du hast sogar noch den Geschmack der Bratwurst auf der Zunge und die Gesänge der Fans in den Ohren. Und der elende Stau bei der Abfahrt ist dir auch noch gut im Gedächtnis.

Vor dem Spiel stand ein Vertreter eines Sponsors auf dem Rasen, der dem Stadionsprecher einen übergroßen Scheck überreichte. Erinnerst du dich daran auch noch? Weißt du noch, was während der Übergabe gesagt wurde, welche Summe auf dem Scheck stand und um welchen Sponsor es sich überhaupt handelte? Nein?

Wenn man im Abseits steht.

Na ja, erklärst du achselzuckend, dieser ganze Werbe- und Sponsor-Firlefanz hat doch mit dem Spiel noch nichts zu tun! Und außerdem warst du abgelenkt, warst im Gespräch, betrachtetest die Fans und atmetest die Stimmung um dich herum ein. Warum solltest du dir irgend so einen Sponsor merken? Ist doch Larifari. Uninteressant.

Obwohl – irgendwie auch interessant: da steht also ein Mensch im Anzug auf dem Rasen, inmitten einer vollbesetzten Arena vor 50.000 Zuschauern und Zuhörern. Er tut etwas Gutes. Er verkündet seine Message. Er erwähnt sein Unternehmen, laut und deutlich – vor allem laut. Dank modernem Soundsystem unüberhörbar. Trotzdem erinnert sich im Nachhinein kaum noch jemand daran, wer das war, was er tat und was er sagte.

Was hat das mit Social Media zu tun? Eine Menge.

All deine Tweets, Status Updates, Messages und Kommentare entfalten eine Wirkung. Denkst du. Aber vielleicht versickern deine Botschaften auch im medialen Gebrabbel da draußen. Da magst du noch so laut sein. Du stehst in der vollbesetzten Social Media Arena, vor tausenden von Fans, Followern, Freunden. Du bist der Sponsorfritze auf dem Rasen mit dem Scheck unter dem Arm, du schwitzt im gleißenden Flutlicht,  blinzelst unsicher in die Ränge auf der Suche nach einer Reaktion. Du sagst deinen wohlformulierten Text auf, sogar ohne Versprecher. Bist erleichterst, als es geschafft und die Scheckpappe überreicht ist. Keiner klatscht. Keiner hat zugehört. Keiner wirft mit einem Becher nach dir. Noch nicht mal das.

Deine Stimme wird gehört – und verhallt doch ungehört.

Dein Publikum beschäftigt sich mit vielen Dingen und Themen, nur nicht mit dir.

Warum hören dir die Menschen nicht zu? Sie warten auf den Hauptact. Du bist eine Randerscheinung; nein, nicht lästig, nur höchst überflüssig. Die Leute kennen dich nicht. Du bist einer dieser langweiligen Promoter. Deine Botschaft interessiert sie nicht. Die Menschen warten auf das Spiel. Nicht auf dich.

Und so ziehst du die Konsequenzen.

Jede Menge Leute, aber keine echte Reichweite. Das heißt, keine Konversion. Kein Return on Investment. Das Engagement in der Social Media Arena bringt nichts – ist doch alles nur heiße Luft. Rückzug! – Oder du machst beim nächsten Auftritt alles anders.

Wenn du im Fußballstadion stehst, rede über Fußball statt über dich!

Deswegen sind die Leute hier, verdammt noch mal. Rede über ihr Thema, darüber, was sie bewegt. Zeig ihnen, dass du Ahnung hast. Dass du den Club aus dem Effeff kennst und ein echter Fan bist. Dann sage ihnen, wer du bist. Streif das Gutmenschengesicht ab und wirf den Scheck weg. Stell dich in den Brennpunkt ihres Interesses. Provoziere die erste Choreo in der Fankurve. Brenn einen Bengalo ab. Mach einen Witz über (bitte Spieler einsetzen). Schrei dich heiser. Sprich ihre Sprache.

Und wenn du schon auf dem Rasen stehst, dann spiele auch mit.

Reiß dir die Krawatte runter. Leg dir Schienbeinschoner an und schraub dir Stollen unter die Schuhe. Such den Kampf. Engagier dich. Sei ein Teamplayer. Begeistere mit außergewöhnlichen Aktionen. Verzaubere. Stürme. Verwandle. Und du hast die ungeteilte Aufmerksamkeit. Mit einem Mal.

Hol dir den Ball.

Schwitzt du im Flutlicht der Social Media Arena?

Schreibe einen Kommentar