Für das Wort „Broadcasting“ gibt es im Deutschen keine exakte Entsprechung. Es wird im Zusammenhang mit Radio und Fernsehen und im Sinne von „Sendung“ oder „Ausstrahlung“ benutzt. Broadcasting bezeichnet die einkanalige breite Streuung einer Sendung – ein  Rückkanal für den Empfänger existiert beim Broadcasting nicht.

Radio- und Fernsehsender sind Broadcaster mit beträchtlicher Reichweite. Ein direktes Feedback durch den Empfänger einer Sendung ist nicht möglich – die Kommunikation bleibt einseitig. So mag ein Zuschauer, der den Kommentar der Tagesthemen verfolgt, entschieden anderer Meinung sein, doch sich der Sendung zuschalten und seinen eigenen Standpunkt mitteilen, dies kann er nicht und soll er nicht. In andere Sendungen kann er sich immerhin telefonisch einwählen – wenn er durchkommt.

Medium ohne Rückkanal

Die Einseitigkeit der alten elektronischen Medien wird oft als Nachteil wahrgenommen. Die Beschränktheit auf ungerichteten Output wirkt nicht mehr zeitgemäß. Im Vergleich zu den interaktiven Möglichkeiten des Internets und der sozialen Netzwerke scheinen die Zeiten des klassischen Broadcastings dem Ende entgegen zu gehen. Heute wollen Menschen teilhaben, wollen ihre Stimme in die Runde werfen, wollen kommunizieren und diskutieren.

Mit dem Einzug des Internet und der zunehmenden Anzahl von Breitbandzugängen kündigte sich bereits ein Wandel in der medialen Kommunikation an. Seit dem Siegeszug der SocialMedia-Plattformen, allen voran Facebook, scheint das klassische Broadcasting im Bewusstsein vieler Netz-Apologeten auf dem absteigenden Ast zu sein. Die sozialen Netzwerke treiben die Demokratisierung der Medien offenbar unaufhaltsam voran. Tatsächlich gibt es dafür Anzeichen:

  • Fernsehgeräte entwickeln sich zunehmend zu Multimedia-Zentren und integrieren die Ausgabe von Stream- und SocialMedia-Anwendungen.
  • Interaktive Fernsehfilme und Hörspiele experimentieren mit der aktiven Einbindung des Zuschauers oder Zuhörers und lassen ihn den Verlauf des Dramas selbst bestimmen.
  • Selbst der Trend zum Public Viewing scheint auf Abnabelung von einseitiger Berieselung hinzudeuten. Längst beschränkt sich Public Viewing nicht mehr nur auf Fußball; in ganz Deutschland gibt es „Tatort-Kneipen“, in denen Fans der beliebten Krimi-Reihe gemeinsam gucken und diskutieren.

Broadcasting schafft Feedback

Broadcasting wird durch Interaktivität ergänzt und nicht ersetzt. Eine Sendung muss nach wie vor angefertigt und bereitgestellt werden, und die Anforderungen an die Quantität und Qualität des Contents werden nicht geringer, weil der Stoff in ein interaktives Format eingebunden wird.

Dies gilt auch für den einzelnen Nutzer von Social Media Anwendungen. Jeder User, der nicht gerade völlig passiv bleibt, ist auch Broadcaster. Jeder Blogpost und jedes Update bei Facebook ist zunächst ein Broadcast, eine ungerichtete Nachricht an Leser, Kontakte und Follower.

Als Nutzer von sozialen Netzwerken schauen wir oft auf das Feedback, das wir zu einem Beitag erhalten. Die Anzahl von Likes, Retweets, Kommentaren und Replies wird zum Maßstab für den Erfolg eines Updates. Das Monitoring und die statistische Auswertung werden bisweilen obsessiv betrieben. Wenn ein Update oder Post kein Feedback erhält oder ein Artikel nicht geteilt wird, bedeutet dies jedoch nicht automatisch, dass der Output ohne Wirkung verpufft ist. Werbestrategen wissen das schon lange.

Informationen schaffen Vertrauen. Je mehr wir informieren, desto mehr Vertrauen schaffen wir. Natürlich schaffen Informationen zu unserer Person Vertrauen. Aber auch Beiträge, die lediglich eine persönliche Färbung und unsere Sicht der Dinge beinhalten. Jeder Satz, der über eine rein sachliche Information hinausgeht, bringt uns unseren Lesern näher. Doch eigentlich nähern  sich unsere Leser und Kontakte uns.

Vor der Interaktion steht die Aktion

Der Programmdirektor eines TV-Senders stellt sich regelmäßig Fragen:

  • Wer ist die Zielgruppe unseres Senders?
  • Welche Einschaltquoten streben wir an?
  • Wie strukturieren wir unseren Sendeplan?
  • Wie gestalten wir ein interessantes und gleichzeitig unterhaltsames Programm?
  • Welche Sendungen produzieren wir selbst und was können wir günstig einkaufen?
  • Welche Medien werden über den Sendeplan informiert?
  • Wie steht es mit der Finanzierung des Senders?
  • Welche Live-Events stehen an?

Es sind im Grunde die gleichen Fragen, die wir uns in Bezug auf Social Media stellen müssen. Denn erstens sind wir Broadcaster. Und zweitens sind wir Engager.

Bist du ein guter Broadcaster?

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