Existenzgründer hören oft, dass sie sich nach Geschäftsstart auf eine lange Durststrecke einstellen müssen. Bis ertragreiche Aufträge an Land gezogen werden und die ersten Rechnungen beglichen sind, vergeht Zeit – bisweilen viel Zeit. Dennoch muss der Gründer den laufenden Geschäftsbetrieb und die Lebenshaltungskosten vom ersten Tag an finanzieren. Und die Liquidität hat oberste Priorität.

Da liegt der Gedanke an einen Bankkredit nahe. Leider sind deutsche Geldinstitute äußerst risikoscheu, wenn es darum geht, jungen Unternehmen Kredite zu gewähren. Doch es gibt interessante neue Alternativen.

Die Gründer- Falle

Wird die Anfrage bei der Hausbank abschlägig beschieden, kratzt der unverdrossene Gründer nicht selten sein letztes Erspartes zusammen und schnallt den Gürtel enger. Er spart, wo er nur kann, um die ersten Monate überstehen zu können.

Doch die Monate rennen rasch ins Land, und je mehr Zeit verstreicht, desto mehr scheint sich der Break-Even-Point zu entfernen. Andererseits tritt ein gewisser Gewöhnungseffekt an die missliche Lage ein. Der junge Unternehmer tröstet sich damit, dass dies eine erste Bewährungsprobe sei und lässt sich nicht unterkriegen. Hat er jetzt doch schon so viel Zeit und Energie in seinen Geschäftsaufbau investiert, dass ein Zurück unmöglich, ja selbstmörderisch erscheint.

Viele Gründer tappen so in eine Falle. Die Aussicht, auf unbestimmte Zeit noch keine Erträge erwirtschaften zu können, wird zur sich selbsterfüllenden Botschaft. Nichts ist einfacher, als diese Perspektive Wirklichkeit werden zu lassen. Was der Unternehmer auch macht, macht er scheinbar richtig, denn dass er zunächst keine schwarzen Zahlen schreibt, ist ja „normal“. Gehen die Bordmittel dann endgültig zur Neige, nutzt auch kein hektischer Aktionismus mehr und der hoffnungsfroh gestartete Gründer steht vor dem Aus.

Das Interimgeschäft

Solange ein neues Geschäft noch keine Gewinne abwirft und sich in der Warmlaufphase befindet, kann es sinnvoll sein, die Existenz mit einem branchenverwandten Interimgeschäft abzusichern. Dieses Interimgeschäft kann für den dringend benötigten Cashflow sorgen, bis das eigentliche Geschäft zur Cashcow herangewachsen ist und die ersten Gewinne einfährt.

Das Interimgeschäft hat einige Vorteile gegenüber dem Modell einer nebenberuflichen Gründung:

  • Der Gründer bewegt sich in einem einfacheren Geschäftsmodell, aber bereits in seinem Metier und arbeitet selbstbestimmt
  • Die Erfahrungen aus dem Vorgeschäft erleichtern ihm später den Übergang zum Hauptgeschäft
  • Aufgebaute Kontakte zu Kunden und Partnern können weiterhin genutzt werden
  • Der Gründer zeigt sich als Experte und kann sich erste Reputation erarbeiten
  • Er lernt das Geschäft „von der Pike“ auf und macht sich auch mit den einfacheren Prozessen  vertraut

Das Interimgeschäft muss keinen gewaltigen Profit abwerfen und braucht keine große Dynamik zu entfalten. Es kann relativ einfach gestrickt sein und muss keine komplexen Ansprüche erfüllen. Es wird auch selten ein ausgeprägtes Alleinstellungsmerkmal aufweisen.

Kriterien für das richtige Übergangsgeschäft

Das Interimgeschäft verfolgt einen anderen Zweck als das komplexere und ambitioniertere Hauptgeschäft des Gründers. Mit dem Übergangsgeschäft sollen in erster Linie rasch Aufträge und ausreichend Gewinne erzielt werden, die für eine Abdeckung der laufenden Kosten sorgen. Daher muss dieses Geschäft unter anderen Gesichtspunkten als das parallel auszubauende Hauptgeschäft ausgewählt werden.

Der Schwerpunkt liegt auf schnellem und beständigem Geldzufluss. Die typischerweise eher schlichte Struktur des übergangsweisen Geschäftsmodells lässt zwar auch nur kleinere Margen zu, doch Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.  Die vielleicht größte Hürde für den Gründer: er muss lernen, Kompromisse einzugehen. Übertriebene Ansprüche an Perfektion und penible Ausarbeitung vereinbaren sich nicht mit dem Ansatz des „quick and dirty“. Was nicht heißt, dass Qualität und guter Service außen vor bleiben sollen.

Wesentlicher Bestandteil des Interimgeschäfts ist ein umgehender und ausfallsicherer Zahlungseingang. Zu bevorzugen sind elektronische Zahlungsarten wie Paypal oder Sofortüberweisung, die direkt nach Auftragserfüllung den gewünschten Geldzufluss herstellen. Und auch die gute alte Barzahlung ist – sofern in der Branche üblich – immer noch eine der besten Mittel zur Herstellung von Liquidität.

Verwandeln statt Handeln

Was eignet sich als vorgeschaltetes Geschäft? Es gibt natürlich keine generelle Antwort – zu unterschiedlich die Branchen, zu verschieden die Märkte und individuellen Voraussetzungen. Bei der Wahl des passenden Interimsgeschäfts sind vier Prämissen zu beachten:

  • Einfache Struktur
  • Verwandtschaft zum Hauptgeschäft
  • Leichter Zugang
  • Skalierbares Geschäftsmodell
  • Permanenter Cashflow

Bei physichen Produkten kann es aussichtsreich sein, sich mit der Erweiterung oder Veredelung ähnlicher und bereits erhältlicher Artikel zu befassen. Auch das Angebot einer Beratung oder Schulung macht Sinn, sofern es sich um erklärungsbedürftige Produkte oder Dienstleistungen handelt. Beide Ansätze helfen dem Gründer zudem, seine Kompetenz auf seinem Gebiet unter Beweis zu stellen.

Beispiel eines Vorgeschäfts

Die mit beschränktem Budget ausgestattete Gründerin eines Modeschuh-Labels, deren eigene Kreationen sich noch im Entwicklungsstadium befinden, könnte sich also übergangsweise mit der optischen Erhöhung von Damenschuhen befassen.

Mit dekorativem „Schuh-Tuning“ kann sie sich nicht nur von anderen Händlern abheben und auf individuelle Wünsche ihrer Kunden eingehen. Sie stellt damit auch ihre Kreativität unter Beweis, dokumentiert ihre Produkte und kann die Bilder für eine Präsentation bei Investoren verwenden.

Vielleicht findet sie auch bereits einen Großhandelspartner, dem ihre aufgepeppten Schuhe gefallen und der ihr eine größere Abnahmemenge avisiert. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dieser Handelspartner später auch an ihren komplett eigenen Schuh-Kreationen interessiert sein wird.

Neue Modelle der Finanzierung

Das Interimgeschäft ist für kleine Gründer eine Option, die sorgfältig geprüft werden sollte. Es eignet sich nicht für alle Geschäftsideen, kann jedoch oft den schweren Start in eine neue Branche erleichtern. Es gibt noch weitere Cash-Strategien, die eine Alternative zum klassischen Bankkredit herstellen und die Anlauf-Finanzierung eines neuen Geschäfts sicherstellen können.

Bei internethandel.de werden acht clevere Strategien zur Finanzierung des eigenen Unternehmens aufgezeigt. Es wird auf die zahlreichen öffentlichen Förderprogramme eingegangen und die Vor- und Nachteile einer Finanzierung durch „Family and Friends“ beschrieben. Daneben werden aber auch innovative Methoden der Kapitalbeschaffung wie das Crowdinvesting und die Finanzierung durch Inkubatoren beleuchtet.

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Finanzspritzen für Gründer

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