Wer die Selbständigkeit plant, wird sich meist intensiv mit der richtigen Geschäftsidee beschäftigen. Durch eigene Voraussetzungen, Fähigkeiten und Neigungen wird das Tätigkeitsfeld eingegrenzt. Die Konkurrenz ist allgegenwärtig, und daher wird man sich durch besondere Merkmale und Angebote von seinen Wettbewerbern abheben wollen. Die zunächst vage Idee nimmt Formen an; und um sie herauszukristallisieren und zu konkretisieren, fixiert man alles in einer Executive Summary. Und schließlich arbeiten die Gründer einen detaillierten Businessplan aus. Die IHK will es so, die Bank will es so, alle wollen es so. Und doch ist dieser Schritt ein fataler Fehler, der zum Scheitern der jungen Unternehmung führen kann.

Plan B

Für die Erstellung des Businessplans werden von den Gründern üblicherweise zunächst Hypothesen über ein bestimmtes Marktumfeld angestellt. Durch Marktrecherchen und Umfragen werden Daten erhoben, die die Nachfrage nach einem bestimmten Produkt oder Service belegen und das Marktumfeld beleuchten sollen. Dem Alleinstellungsmerkmal wird dabei oft eine dominante Rolle zugesprochen. Nach dieser Konzeptphase wird die Geschäftsidee im Detail fixiert.

Grau ist alle Theorie

Die Gründer schwitzen oft monatelang über der Erstellung eines Businessplans inklusive einer dreijährigen oder oftmals sogar fünfjährigen Finanzvorschau. Steht der Businessplan und die Finanzierung, kann der Startschuss erfolgen. Mit dem Businessplan als Leitschnur steht dem Erfolg des jungen Unternehmens schließlich nichts mehr im Weg. Alle Schritte wurden sorgfältig geplant und müssen nur noch umgesetzt werden. Soweit die Theorie. Doch „grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum.“ Und Goethe’s Mephisto hatte recht.

Der Fehler liegt im Ansatz, ein Startup mit einem existierenden Unternehmen zu vergleichen. Jungen Unternehmern wurde (und wird) eingebläut, dass sie nur ein detaillierter Businessplan wie von Zauberhand zum Erfolg führt. Ein Businessplan aber basiert noch größtenteils auf reinen Annahmen, erst recht eine inkludierte mehrjährige Finanzvorschau. Der Fokus ist auf die Suche und die Erprobung eines tatsächlich funktionierenden Geschäftsmodells zu legen – nicht auf die Ausarbeitung eines rein hypothetischen Businesskonstrukts, das sich schon bald als Luftschloss entpuppen kann.

Kein Fundament, keine Zahlen, keine operativen Erfahrungen

Ein Startup verlangt eine völlig andere strategische Herangehensweise als ein seit vielen Jahren  erfolgreich am Markt agierendes Unternehmen. Ein Startup hat noch kein Fundament, keine Zahlen und keine operativen Erfahrungen – somit kein Material, aus dem sich ein reeller Businessplan gestalten ließe. Für ein neues Unternehmen ohne Historie macht es keinen Sinn, einem substanzlosen Geschäftsplan zu folgen, der zwangsläufig auf Mutmaßungen und unzulässigen Übertragungen fußen muss.

Gut erläutert wird der fehlerhafte Ansatz in diesem Video des Udacity Free Startup Building Course :

Suchen und Optimieren

Statt all der Zeit und Akribie, die in einen ausgefeilten aber wenig aussagekräftigen Businessplan verschwendet wird, ist für ein Startup also Suche, Recherche, Testen und ständiges Anpassen angesagt. Dieser Findungs- und Optimierungsprozess muss fortgesetzt werden bis zu dem Punkt, an dem eine geradezu brennende Nachfrage erkennbar wird. Ein laues Interesse der Zielgruppe am Produkt hilft noch nicht weiter. Erst wenn ungeduldige Kaufwillige mit geöffnetem Portemonnaie in der Hand nachfragen, wann das angekündigte Produkt endlich auf den Markt kommt, kann dieser Prozess als abgeschlossen betrachtet werden. Erst ab diesem Zeitpunkt kann mit hoher Sicherheit von einer tatsächlichen Nachfrage und Zahlungsbereitschaft ausgegangen werden.

Am Anfang steht die Geschäftsidee

Jede Geschäftsidee muss erst erprobt und an die realen Gegebenheiten angepasst werden. Nichtsdestotrotz braucht es eine gute Geschäftsidee. Inspirationen sind dabei immer hilfreich, und oft lassen sich auch zwei Geschäftsideen zu einem neuen innovativen Modell verbinden.

Das Magazin Geschäftsideen.de dokumentiert viele originelle Geschäftsideen, vom Tortendesigner bis zum Vertrieb von flauschigen Hüllen für Smartphones. Darüber hinaus werden zu jeder Geschäftsidee auch zahlreiche Hintergrundinformationen, Zahlen und Fakten genannt. Reichlich Futter und gute Anregungen für ein eigenes Geschäftsmodell also. Auch wenn diese Geschäftsideen anderweitig bereits umgesetzt wurden: Ob eine Geschäftsidee in der auf Geschäftsideen.de beschriebenen Form für einen selbst und das eigene Gründungsteam funktioniert, muss nach wie vor ausgetestet werden.

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Im Rahmen eines Vergütungsmodells wird dieser Blogbeitrag durch das Onlinemagazin Geschäftsideen.de honoriert. Das Vergütungsmodell ist nicht provisionsabhängig (Affiliate). Ich beleuchte monatlich ein Thema aus der aktuellen Ausgabe des Magazins. Diese Artikel spiegeln meine ungefilterte und persönliche Meinung wider. Es gibt keinerlei Einschränkungen oder Vorgaben durch den Auftraggeber, weder inhaltlich noch in Bezug auf etwaige zu integrierende Keywords oder Verlinkungen.

Warum ein Businessplan das Scheitern plant und was ein Startup wirklich braucht
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