Die Konkurrenz in der Badeenten-Branche ist knallhart. Jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck, wenn man sich auf die Suche nach Onlineshops für die schwimmenden Quietscheenten begibt. Wer geglaubt hätte, es gäbe keine eigens auf Badeenten spezialisierten Shops im Netz, wird nach einer kurzen Google-Suche schnell seine Meinung revidieren. Die Anbieter duckshop.de, badeenten-shop.de, gummienten.de und entenwahnsinn.de scheinen die deutschen Badewannen fest im Griff zu haben, und kleinere Anbieter behaupten sich ebenfalls mit allerlei skurril kostümierten Plastikenten in der Badeenten-Onlinewelt. Echte Entenpreneure eben.

Wenn schon Badeenten im Superman- und Nonnen-Outfit keine Nische mehr sind – ist dann nicht jeder ein hoffnungsloser Träumer, der sich heute noch mit einem Onlineshop positionieren will? Welches Produkt wird nicht längst online vertrieben? Die Schlagzeilen über wachsende Umsätze der großen Shop-Betreiber und Boomshops wie Zalando beherrschen die Medien. Sie versperren indes den Blick auf die große Anzahl jener Shops, die mit begrenzten Budgets starten müssen und nach kurzer Existenz wieder aus dem Netz verschwinden.

Die Online-Flops kleinerer Shopbetreiber werden in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Deren Betreiber, die oft viel Energie und Herzblut in den Aufbau Ihres virtuellen Vertriebskanals gesteckt haben, müssen nicht nur das Scheitern wegstecken, sondern sich oft auch noch für den Fehlschlag rechtfertigen. Wer im E-Commerce nicht punktet, macht etwas falsch, sticht nicht heraus, so die landläufige Meinung. Doch so einfach ist es nicht.

Die mittlerweile gut etablierte Konkurrenz im Onlinehandel, der sich Newbies im E-Business auf fast allen Feldern gegenübersehen, ist nur ein Aspekt. Die Positionierung ist wichtig, wird aber in der Regel bei der Planung ausführlich betrachtet und berücksichtigt. Dagegen unterschätzen neue Aufsteller virtueller Schaufenster oftmals den sehr realen Aufwand, der mit dem Distanzhandel physischer Produkte verbunden ist: Marketing, Produktpräsentation, Katalogpflege, Einkauf, Lagerhaltung, Warenwirtschaftssystem, Zahlungsabwicklung, Forderungsmanagement, Logistik – es ist gleich eine ganze Klaviatur von Aufgaben, die mit der Eröffnung eines Onlineshops bespielt werden will. Und Missklänge führen unmittelbar zu schlechten Bewertungen durch die anspruchsvolle Kundschaft.

Ein populärer Ansatz im E-Commerce ist daher die Auslagerung zeit- und kräfteraubender Prozesse. Bei der Zustellung der Produkte liegt dies für jeden Shopbetreiber auf der Hand – kein Onlinehändler wird seinen Kunden die bestellten Artikel persönlich anliefern, dafür greift er auf Dienstleister wie DHL oder UPS zu. Ein weiteres Beispiel ist Amazon, das seinen Marketplace-Verkäufern nicht nur eine sichere Schnittstelle für die finanziellen Transaktionen bietet, sondern auf Wunsch auch deren Produkte im Versandzentrum einlagert, versandfertig macht und versendet. Drop-Shipping ist ein weiteres populäres Konzept.

Welche Prozesse im einzelnen abgegeben werden, ist für jeden Shop individuell zu entscheiden. Eine generelle Leitlinie kann es nicht geben. Der Vertrieb von Badeenten erfordert andere Strategien als der von Badewannen, auch wenn beide das gleiche Metier teilen. Wichtig aber ist die generelle Bereitschaft zur Übergabe von Prozessen an versierte Dienstleister. Diese Delegation wird von Gründern aber oft als Kontrollverlust empfunden – möglicherweise ein Grund, warum man sich lieber überfordert, als den Fokus auf die Kernkompetenz zu legen. Doch nur wer loslässt, hat die Hände frei zum Arbeiten.

Die richtigen und erfolgsversprechenden Konzepte im E-Commerce thematisiert das Online-Magazin Internethandel in der aktuellen Ausgabe. Es finden sich dort auch interessante Beispiele aus dem Onlinehandel. Leider ist kein Badeentenshop dabei. Wer in dieser lukrativen Branche nach Erfolg gründeln will, watschelt also weiter auf dem Trockenen. Schade eigentlich.

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Entrepreneure und E-Commerce: Wer loslässt, gewinnt

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